Kapitel 1

Bereits im Herbst 2017 findet das Kooperationsgespräch mit einer sehr engagierten Kunstlehrerin des Gymnasiums Mellendorf statt. Sie ist es nun auch, die mir  Unterrichtsstunden in ihren 10ten zur Verfügung stellt, um das Projekt vorzustellen und Jugendliche zum Mitwirken zu gewinnen. Ich wundere mich, wie erwachsen diese jungen Menschen sind und verteile Möbiusbänder auf den Tischen. Damit haben wir zunächst etwas in der Hand. Wie ist das mit dem Innen und dem Außen, wie ist das mit den Kanten und den Flächen? Rasch sind die Jugendlichen bei mir und ich nehme sie mit durch meine Powerpoint-Präsentation. Am Ende muss ich sie ganz schön zerren. Ich habe das Gefühl, dass einiges an Begeisterung durch zu viele überflüssige Worte auf der Strecke bleibt. Cooles Projekt- aber keine Zeit! Das bekomme ich nun oft zu hören. Höflichkeit oder das Phänomen der Erwachsenenwelt?

Eine Woche später stehe ich in einer anderen 10ten Klasse. Die Kunstlehrerin trägt den selben Namen, wie das Band, was ich mittlerweile mit Projekttitel, Logo und Handynummer versehen und zum Informationsträger gemacht habe. Die Powerpoint-Präsentation lasse ich dieses Mal zu Gunsten eines rasch gezeichneten Posters weg, meine Ansprache halte ich kurz. Nun bleibt ausgiebig Zeit zum Fragen. Aus vielen Fragen und ebenso vielen Antworten entwickelt sich ein Gespräch, als es die Tendenz bekommt, in ein inhaltliches Planungsgespräch überzugehen, ist die Zeit um.

Für die 9te Klasse, die Kunstprofilklasse des Gymnasiums, versuche ich es mit einer kleinen Praxiseinheit, ich bitte die Schüler, auf einer Blankostreichholzschachtel einen schlimmen Tag des vergangenen Jahres darzustellen, mit Farbe, Symbol oder Text. In den Innenteil der Schachtel soll die gestaltete Erinnerung eines schönen Tages Platz finden. Die Schachteln werden hin- und her getauscht. Jeder hat nun die Schachtel einer Mitschülerin/eines Mitschülers mit der Aufgabe, eine kleine Botschaft für diesen Menschen in der Schachtel zu platzieren. Alle sind bei mir, hören aufmerksam zu und stellen Fragen zum Projekt. Und wieder kommt das Möbiusband zum Einsatz, es symbolisiert den Perspektivenwechsel und das Unerwartete, vor allem beim Durchschneiden parallel der Kante….es verlängert sich beim Halbieren, es verdoppelt sich beim Vierteln…..

An der Realschule räumt man mir zehn Minuten ein, um das Projekt in der 9ten Klasse vorzustellen. Also umreiße ich es knapp und so spannend, wie es mir bei dem Blick in regungslose Schüler-Gesichter möglich ist. Dem Angebot, sich mit mir in der Pause für weitere Infos zum Projekt zu treffen, kommt keiner dieser Schülergruppe nach. Dieser Weg scheidet für die Zukunft aus, um Jugendliche zu gewinnen. Ein Projekt mit Gestaltungsspielraum durch die Teilnehmer kann ich nicht in 10 Minuten transportieren als würde ich einen Zirkus ankündigen.

Und auch die Presse soll helfen, eine Gruppe Jugendlicher zusammenzustellen.

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