Aufregung an der Kai-Mauer

Man ahnt nicht, wie viel Wirbel eine Kai-Mauer verursachen kann, die vom Abriss bedroht ist. Aber der Reihe nach. Letzte Woche haben Tobias Linne, Hans Hochfeld (1. Vorsitzender des Kunstvereins) und ich (Jessica) uns vor der Mauer getroffen. Da sie beidseitig begehbar ist, wollten wir auch beide Seiten nutzen bzw. vorzugsweise die Seite mit der Wiese davor. Hier hatte Tobias geplant, dass wir ein Picknick mit den Bürgern im Projekt machen können, um sie in den Entstehungsprozess mit einzubinden. Auch eine Abschlussveranstaltung war angedacht.

Nun hatte ich einen Tag zuvor einen bösen Brief eines Fraktionsvorsitzenden des Stadtrates bekommen, der sich empörte, dass die Mauer eines Tages abgerissen würde, da ein Kunstwerk doch bestehen bleiben müsse. Es half leider nicht, dass ich antwortete, dass ein Abriss der Höhepunkt der Aktion wird. Schließlich ist Kunst durchaus auch temporär, man denke z.B. an Christo und den sonst immer noch verhüllten Reichstag. Gerade der Abriss der Mauer, wenn er in unser Konzept mit einbezogen werden kann, ist ein wichtiger Bestandteil. Doch es sollte noch keine Ruhe einkehren. Weiterhin hieß es, dass die Mauer zwar dem Investor gehöre, von dem wir ja grünes Licht bekommen haben, jedoch die Wiese vor der Mauer wieder einem anderen gehöre. Auf diese verzwickte Lage ist wirklich niemand gekommen. Nach Rücksprache mit dem Investor haben wir eine prima Lösung gefunden: Wir gestalten nun die Mauer von der Hafenseite aus. So wird ihre Aussage sogar von den Schiffen auf der Elbe gesehen, was einen durchaus internationalen Charakter verleiht, und auch das Hafenareal ist mit dem Fischmarkt und Attraktionen für Touristen und Einheimische jetzt in der kommenden warmen Jahreszeit sehr belebt. Insofern haben wir eine neue Perspektive im wahrsten Sinne des Wortes bekommen.

Wenn man direkt vor der Mauer steht, ist sie schon imposant mit ihren knapp 100 Metern und etwa zwei Metern Höhe. Unsere Überlegung ist nun, dass wir sie nicht kleinteilig anmalen wollen. Dies hat den Vorteil, dass auch auf die Entfernung die Aussagen erkennbar sind. Die Jugendlichen sind es sicherlich nicht gewohnt, so großflächig zu gestalten. Wir finden das eine gute Möglichkeit, dass schon bei der Gestaltung über den normalen Rahmen hinaus gedacht werden kann. Vor Ort werden sich die Teilnehmer ein Bild von der Mauer machen und dann zunächst Ideen sammeln. Tobias hat den spannenden Namen CUXTOPIA erfunden, was gerade die Aufbruchsituation hier in Cuxhaven passend darstellt. Nun möchte auch die Berufsbildende Schule am Projekt teilnehmen, was uns sehr freut. CUXTOPIA inspiriert, nicht nur die Teilnehmer und anscheinend sogar die Politiker, sondern auch uns. Es geht weiter.

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