MAKING IV- Spontane „Sommer-Kunst“

     

Spontane Sommerkunst ohne viele Worte am Elzer Bahnhof in der Wedemark:

Es sind Sommerferien, freie Zeit und traumhaftes Wetter machen Lust auf eine Aktion im Freien. Diejenigen von uns, die gerade nicht im Urlaub sind, treffen sich mit 10 Paketen Straßenmalkreide, gefrorenen Windbeuteln, reichlich Wasser, bester Laune und der Idee, den gepflasterten Weg entlang der Bahn in einen Hingucker zu verwandeln.

Ideengeber waren eigentlich kleine Kinder selbst mit ihren Kreidekunstwerken in den Spielstraßen der Wohngebiete.

Wir googlen und finden traumhafte Straßenbilder, Kreidemuster, die wie zarte Häkeldecken oder prächtige Teppiche graue Gassen verzieren, wir lesen über Künstler, die dieses Format zu ihrer Profession gemacht haben.  Wir wollen auch, machen, loslegen, ausprobieren, so, wie wir es uns für unsere MAKINGS vorgestellt haben. Unsere Motiventscheidung fällt auf Mandalas. Die Analogie zu unserem Projekttitel, der den unbemerkten Perspektivenwechsel vom Innen ins Außen und umgekehrt beschreibt, wird uns erst beim Tun bewusst. In ihrer originären Form führen alle Elemente eines Mandalas von einem zentralen Punkt zur Peripherie, um dann auf anderen Wegen zum Inneren zurückzukehren. Unser Innen und Außen hat auch bei Mandalas eine Bewandtnis, fein, es scheint stimmig und gut.

Es geht los. Fühlen wir uns komisch? Kindisch? Nein. Jenny schickt eine whats app an eine Freundin. Die Antwort kommt prompt, hoffentlich regnet es nicht, ich komm erst in drei Tagen aus dem Urlaub und will das unbedingt sehen!

Ein kleines Mädchen staunt, woher könnt ihr das? Chiara hat geübt, ich bin beeindruckt, zumal wir uns erst vor 12 Stunden verabredet haben. Ihr kleines Büchlein ist voll von Skizzen und ausgearbeiteten Motiven. Alina mag Augen in den Motiven, sie bringt uns ausgedruckte Vorlagen zur Inspiration mit. Wir haben Lappen dabei, um aufgetragene Farbe verwischen zu können. Dicke Borstenpinsel wären jetzt super, um den Bildern Plastizität geben zu können, wir behelfen und mit einem Handfeger aus dem Bus und speichern unsere Erfahrungen ab 😉.

Eine Bekannte sitzt in der einfahrenden S-Bahn, sie erkennt mich und kommt begeistert zu uns. Ihr gefallen unsere Werke super und sie versichert, dass es aus der S-Bahn klasse zu sehen ist. Wie auch andere Passanten fragt sie interessiert nach, wer wir sind, was wir tun und warum und wozu……

Wir hören aber auch Oh, da hat man den großen Mädchen mal wieder Kreide wie früher zum Spielen gegeben…. Ja, hat man! Und erst fühlen sich alle ganz jung, aber nach vier Stunden hocken, knieen, bücken, fühlen wir jeden Knochen, vor allem ich 😉

Ich weiß zwar nicht, was ihr da tut, aber es ist sinnvoller, als das, was ich heute gemacht habe , kommentiert ein 17jähriger unser Tun.

50 Meter bemalte Weg, viele Fußgänger versuchen, nicht auf die Motive zu treten, ein Radfahrer schwänkt aus, landet um ein Haar im Gebüsch….

Das allerschönste für mich kommt jedoch am nächsten Tag. Ich erhalte eine Nachricht in unserer whats app-Gruppe mit Foto und Text: Wir sind wieder an der Arbeit.

Auf dem Foto sehe ich kleine Kinder und ein Pferd. Steht da ein Pferd? Ja, Chiara hat ihre kleinen Geschwister auf dem Rücken des Ponys mitgebracht.

Sie beeindruckt mich, diese GENERATION und wie sie KUNST lebt und versteht. Fröhlich und gnädig, aber nie lapidar.

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