30. Januar 2018, Junge Menschen als Teilnehmer_innen fürs Projekt gewinnen

In den letzten zwei Wochen bin ich alle Kunstschulen besucht. Es steht noch ein Besuch in Georgsmarienhütte aus, der an eine Intervention gekoppelt ist.

Da viele Projekte junge Menschen zu Teilnahme und Teilhabe einladen, gibt es diese Frage: Wie erreicht man Jugendliche? Wie war’s bei uns als Jugendliche?

Wer nicht sowieso Kontakt zu Schulen hat, steht vor dieser Frage, wo und wie man heutzutage junge Menschen zuverlässig erreicht. ‚Sich kennen’ ist ein wichtiger Faktor, denn es geht konkret um eine Beziehungsebene zwischen Erwachsenen (Kunstprojektleitung) und jugendlichen Teilnehmer_innen. Wie erzählt man das Anliegen eines solchen Projektes um klar zu lachen, es geht um euch, wir bieten nur Strukturen und Material? Jugendliche sind prinzipiell offen für Prozesse als Ausdrucksmittel. Ganz freie Projekte als Erstprojekt mit Jugendlichen zu machen ist schwierig.

Ist es also ok, mit denen zu beginnen, die man kennt? Mit Nachbarn, Familie, Freunden, Schulklassen, Lehrer_innen? Ich behaupte: Ja, als Strategie ist es eine absolut menschliche und nachvollziehbare Form, eine teilnehmende Gruppe zu bilden. Eine direkte und persönliche Einladung wirkt Wunder. Bei uns allen. Man fühlt sich gesehen und gewertschätzt.

Wie erreicht man die anderen, die man immer gerne dabei hätte?

Jugendliche bringen gerne Freund_innen mit. Sich anonym auf einen Prozess einzulassen, ist in den seltensten Fällen gegeben, auch bei Erwachsenen. Aber kreative Einladungen zu formulieren, wo man sich einen neuen Freund_in am Tisch wünscht, ist ein sehr spannender Versuch (z.B. die Einladung zu einem Essen, wo alle einen Freund­in mitbringen, die nicht deutscher Herkunft sind. Ein Essen zu dem Thema machen: FUSION… Tischsitten, koscher und/oder halal, vegan und/oder vegetarisch, allergisch und/oder junk…). Das kann man tun mit Musik, Mode, Sport, ….

 

Für die ‚ganz anderen’ gilt: Man muss sie aktiv aufsuchen. Lust zu Projekten mag schnell da sein, aber Vertrauen braucht Anwesenheit, sich kennenlernen, absichtslos sein und Zeit miteinander verbringen. Wer oder was „die so ganz anderen sind“, die man nie trifft oder erreicht, kann für jeden anders sein, aber: Könnt ihr euch vorstellen, in einem AfD nahen Jugendklub aufzutauchen, in einem Fussball-Fan- oder Motorrad-Club, in einem Box- oder Fitness Club oder in einer Geflüchtetenunterkunft, in einem Kinderheim oder WG für Schwererziehbare Zeit zu verbringen? Könnt ihr euch vorstellen, in einem türkischen Heimatverein, in einem albanischenTanzclub oder in einem kurdischen Treff vorstellig zu werden?

So gehen Beziehungen zum ganz anderen los. Sie bergen interessante Überraschungen, vielleicht wird es erst mal einen ganz anderen Wunsch geben als erwartet, so kenne ich das auf eigenen Projekten. Es lohnt sich, dass ist, was ich sagen kann. Aber es kostet echtes authentisches Interesse und Zeit, d.h. die Bereitschaft, sich auf neue Beziehungen einzulassen.

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