9.Februar 2018: Der Raum, in dem wir uns befinden

Der Projektraum von ‚feelkleid’ hat bestimmte Qualitäten: Es handelt sich um ein leerstehendes Ladengeschäft in der Einkaufspassage Schlosshöfe (https://www.schlosshoefe-oldenburg.de/). Es befindet sich mitten in der Innenstadt. Die Einkaufspassage ist im Prinzip gut gesucht, aber nicht dieser ‚Arm’ der Passage. Mehrere Läden stehen leer, auch der gegenüber, sodaß es möglich war, sich hier sowohl mir der Designwerkstatt (Anastasia) alsauch mit feelkleid in zwei leeren Geschäften anzusiedeln. Natürlich bringt dieser Ort bestimmte Qualitäten mit sich. Wir sitzen in einem relativ dunklen Raum, da der Innenausbau nie beendet wurde und es kein installiertes Licht gibt. Alles Licht kommt als Stehlampen als Lichtquellen. Die Wände sich nicht durchgängig gestrichen, die Leitungen und Rohre sind sichtbar. Der Boden besteht aus Beton. Auf dem Gang vor dem Geschäft laufen die Menschen in großer Zahl vorbei, um in der Shoppingmall diverse Erledigungen zu machen: Essen, Einlaufen, zum Friseur gehen, Freund_innen treffen, die Fingernägel machen lassen, … Wie in allen Shoppingmalls, wird laut geworben.

Wir als generationKUNST Team treffen us heute den ganzen Tag hier an diesem realen Projektort und ich finde es ganz wunderbar, daß wir die Chance auf so eine verkörperte Erfahrung bekommen. 

Ein Austausch unter den TN_innen:

Sara: Von meinem Platz schaue ich auf den Bildschirm gegenüber (Friseur). Ich kann einfach nicht wegschauen. Was ist da? Wie gehe ich in Resonanz? Wie verändert das Starren auf den Bildschirm mich/mein Denken?

Hildegard: Ich gucke immer auf die Leute in der Passage und frage mich, was die wohl denken, was wir hier drin tun. Es schauen nämlich viele neugierig hier rein. Den Dialogkreis haben wir das letzte Mal im geschlossenen Hof beim KunstWerk gemacht. Hier sind wir in der Öffentlichkeit. Naja, aber wir sind nicht von öffentlichem Interesse. Fühlen wir uns hier sicher?

Elke: Ich schaue auch auf den Bildschirm von gegenüber. Ich finde, dass es hier ein toller Raum ist. Hab an unser Projekt gedacht. Die Leute gucken eher, wenn die Glastür zu ist. Was lerne ich daraus für unser Projekt? Ich könnte den ganzen Tag hier sitzen.

Anastasia: Wenn man den ganzen Tag in so einem Raum sitzt – ist es ein Gefühl wie in einem Aquarium. Ich konzentriere mich so auf meine Arbeit, dass ich manchmal nicht merke, dass jemand reingekommen ist. Manche sagen etwas während sie vorbeigehen. Wie wirkt das auf mich? Was hat das mit mir zu tun? Die haben etwas bemerkt, haben nachgedacht, nehmen etwas mit. Irgendwie findet eine Beeinflussung durch diesen Ort, z.B. durch die Bilder, statt.

Wir stellen auch fest, dass feelkleid ja zu etwas anregen will, was für manche in extremer Spannung zu ihrem Sein in der Mall stehen könnte: dem vergnüglichen Shoppen, dem Schwelgen in Überfluß, ohne an Konsequenzen zu denken.

Ich muss an Malaysia denken, wo ich kürzlich in Kuala Lumpur ein Nachhaltigkeitsprojekt Biji-Biji besucht habe, dass in einer Shoppingmall (genannt Publika) angesiedelt ist: https://www.biji-biji.com/ . Das Team dort erzählte mir, dass sie sich ganz bewußt mit ihrem Upcycling Design und Bauen/Nähen etc in die Shoppingmall setzen, weil sie hier die Leute vor allen mit ihren Kindern erreichen. Weil sie bewußt freundlich und offen auf Menschen zugehen, weil sie glauben, daß sie so und hier den Unterschied machen können, den nur sie hier einführen können.

Auch wir erleben den ganzen Tag die Chance, in diesem Konsumtempel zu sitzen, in dem Komfort, ohne Jacken zum Mittagessen aus zu gehen, kurz nebenan etwas einzukaufen oder Geld zu ziehen. Wir tauschen uns über unser Einkaufsverhalten aus und hören gespannt, was das Oldenburger Team hier erlebt.

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